Hortreform (GBS):

Zum Schuljahr 2013/14 plant die Stadt einschneidende Änderungen bei der Hortbetreuung: Unter dem Titel „Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen“  (GABI oder GBS) ist eine Verlagerung der Hortbetreuung von privaten und staatlichen Horten an die Grundschulen geplant. Als freiwillige („offene“) Ganztagsschulen sollen sie in der Zeit von 6 bis 18 Uhr in Kooperation mit einem Träger (wie der Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten oder dem DRK) eine Hortbetreuung anbieten.

Versuche laufen seit dem Schuljahr 2010/11 an sieben Grundschulen („Pilotschulen“). Die Pilotphase wird durch das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) evaluiert. Der Bericht über die Evaluation ist am 13. Februar 2012 veröffentlicht worden. Weitere 21 Grundschulen haben als „Modellschulen“ – vorzeitig – im Schuljahr 2011/12 mit dem Programm begonnen.

Statt, wie bisher geplant, zum Sommer 2013 die Hortbetreuung von Schulkindern einzustellen, bleibt diese Betreuungsform nun zwei Jahre länger, bis Sommer 2015, bestehen. Das gab Schulsenator Ties Rabe (SPD) am 24. Februar 2012 bekannt.

Ganztagsschule:

Spätestens im Schuljahr 2013/14 sollen nach den Plänen des Senats alle staatlichen Grundschulen in Hamburg Ganztagsschulen sein. Laut Pressemitteilung der Schulbehörde vom 1. September 2011 soll die Reform schrittweise zu den Schuljahren 2012/13 und 2013/14 umgesetzt werden. Einzelheiten sind in der Anlage zur Pressemitteilung dargestellt. Engpässe können schon jetzt entstehen, weil private Horte schließen.

Die Ganztagsschule (GTS) beginnt um 8 Uhr und endet an vier Tagen der Woche um 16 Uhr, an einem Tag (meist Freitag) um 13:30 Uhr. Es gibt folgende Formen:

  • Offene Ganztagsschule, in der – anders als bei der neuen offenen Ganztagsschule nach dem Programm GBS (siehe oben) – die Schule selbst die Betreuung am Nachmittag organisiert,
  • Gebundene Ganztagsschule,
  • Teilgebundene Ganztagsschule.

In offenen Ganztagsschulen ist die Teilnahme nach 13 Uhr freiwillig. Wer sich allerdings für das Angebot entscheidet, muss sein Kind an mindestens drei Tagen (GBS) oder vier Tagen (offene GTS) bis 16 Uhr in der Schule lassen; früheres Abholen wird voraussichtlich nicht möglich sein. In offenen Ganztagsschulen findet der Unterricht demnach ausschließlich am Vormittag statt; am Nachmittag liegen Freizeit-, Neigungs- und Förderkurse. Noch nicht klar ist, wer diese Kurse leitet.

Die gebundene Ganztagsschule ist für alle Schüler der Schule verpflichtend; bei teilgebundenen Ganztagsschulen ist der Nachmittagsunterricht nur für bestimmte Jahrgänge oder Klassen oder nur an bestimmten Wochentagen verpflichtend.  Gebundene Ganztagsschulen verteilen den Unterricht über den gesamten Tag.

Die Betreuung vor 8 Uhr und nach 16 Uhr sowie in den Ferien übernimmt wie im Programm GBS ein von der Schule beauftragter Träger.

Betreuer:

Der grundsätzliche Betreuungsschlüssel wird an unserer Schule bei 1:23 liegen. Zusätzlich zu den Betreuern (zumeist Erzieher oder Psychologen) kann die Schule Honorarkräfte (zumeist Lehramt- oder Sportstudenten) einstellen.

Kosten:

Für „Vollzahler“, also einer Familie mit zwei Kindern und einem bereinigten Haushaltsnettoeinkommen von mindestens € 4.000 monatlich, gelten laut Pressemitteilung vom 13. Februar 2012 folgende Gebühren:

  • Mittagessen € 3,50 je Tag.
  • Die Betreuung vor 8 Uhr und nach 16 Uhr: € 30 monatlich für jede Stunde, als Jahresbetrag zu zahlen, also für vier Stunden € 1.440 im Jahr.
  • Betreuung während der Schulferien: Kernzeit von 8 bis 16 Uhr: € 7,50 je Woche, von 6 Uhr bis 18 Uhr: € 10 je Woche. Diese Gebühren sind ebenfalls als Jahresbetrag zu zahlen, also bei sechs Wochen Ferienbetreuung in der Kernzeit erhöht sich die Jahresgebühr um € 540.

Vorschüler müssen innerhalb der Kernzeit von 13 bis 16 Uhr eine „Grundgebühr“ von € 5 zahlen. Dafür erhalten sie auf die übrigen Gebühren einen Abschlag von 60%.

Für das zweite Kind beträgt der Abschlag 66,7 %, für das dritte Kind 80%. Beispiele in der oben genannten Pressemitteilung.

Räume:

An allen Schulen müssen Speiseräume (Mensen) geschaffen werden. Die Bauarbeiten an den Hamburger Schulen sollen im Jahr 2012 beginnen und bis 2015 abgeschlossen sein. Siehe auch den Bericht in der Hamburger Morgenpost vom 7. Dezember 2011.

Da keine Mittel für den Bau zusätzlicher Räume zur Verfügung stehen, müssen die Klassen- und anderen Räume an den Grundschulen für die Nachmittagsbetreuung genutzt werden; im Behördendeutsch heißt das „multifunktionale Nutzung“. Laut Senator Rabe sollen auch „flexibel einsetzbare Möbel“ angeschafft werden (WELT vom 21. November 2011).

Hintergrundinformationen und Kritik:

Das Hamburger Rahmenkonzept für die GTS aus dem Jahr 2004 finden Sie hier [336 KB].

Die Ergebnisbroschüre zur Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) von 2005 bis 2010 ist hier zum Download [3,8 MB] verfügbar.

Elternvertretungen wie die Elternkammer, der SOAL e.V., der Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung und Bezirkselternausschüsse kritisieren die Umsetzung als übereilt und schlecht finanziert. Weitere Details finden Sie auf den Websites der Stadt Hamburg und des Hamburger Bündnisses Hortbetreuung.  Interessant ist dort der „Faktencheck“ zur Sendung Schalthoff Live am 13. September 2011. Einen Katalog von – kritischen – Fragen zur Einführung der Hortbetreuung an einer Grundschule finden Sie hier.

Presseartikel zur Studie der Hochschule Niederrhein über die Qualität de Schulkantinen: FAZ vom 4. Februar 2012, Spiegel Heft 5/2012.

Zeitplan für die Schule Turmweg:

Zum Meinungsstand an der Schule Turmweg siehe die Ergebnisse der Umfrage des Elternrats vom Januar/Februar 2011.

Siehe zur weiteren Entwicklung die Informationen auf der Website der Schule.

Informationsveranstaltung:

Am Mittwoch, den 7. Dezember 2011 fand für die Klassenelternvertreter und Lehrer eine Veranstaltung zu den möglichen Formen der Ganztagsbetreuung an unserer Schule statt. Die Herren Oldenburg und Gaul aus der Schulbehörde sowie die Schulleiter Frau Carstensen von der Grundschule Lutterothstraße , die bereits seit August 2010 als „Pilotschule“ ein Ganztagsprogramm anbietet, und Herr Neumann von der Grundschule Hoheluft, die seit August 2011 eine gebundene Ganztagsschule aufwachsend ab Klassenstufe 1 ist, erläuterten die Vor- und Nachteile der verschiedenen Formen der Ganztagsbetreuung .

Beide Schulleiter berichteten über die erhebliche Zusatzarbeit für die Einführung der Ganztagsbetreuung, den großen Veränderungen, von Erfahrungen und Fehlern in der ersten Zeit sowie von überwiegend zufriedenen Eltern und Schülern. Trotz Hausaufgabenbetreuung – in Gruppen – und reduziertem Umfang der Hausaufgaben müssten die Schüler gelegentlich auch zuhause noch Hausaufgaben erledigen. Wichtig sei z.B. die Auswahl geeigneter Möbel für die Klassenräume, die im Ganztagsbetrieb zu verschiedenen Zwecken genutzt werden. Die angebotenen Kurse finden fast ausnahmslos auf dem Schulgelände statt; mit Sportvereinen werde gut zusammengearbeitet. In der Grundschule Lutterothstraße essen die Kinder in Staffeln in einer Mensa, in der Grundschule Hoheluft in den Klassenräumen. Schwierig sei die Frühbetreuung sowie die Betreuung behinderter Kinder oder anderer Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu gestalten.

Herr Gaul wies darauf hin, dass die Schulen während der Umsetzungszeit von der Behörde durch Zuteilung zusätzlicher Lehrkräfte unterstützt werden. Er erläuterte außerdem, aufgrund welcher diffiziler politischer Bewegungen es zu der Entscheidung gekommen ist, private Horte im Ergebnis abzuschaffen.

[Stand: 2/2012]

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/schulkantinen-das-kind-muss-essen-11637925.htmlFA